04. Dezember – Barbaratag Geschichte für Kinder

„Heute müssen wir Kirschzweige schneiden“, sagt Mama, „für jeden von uns einen.“
„Und dann?“, fragt Leon.
„Dann bindet jeder ein buntes Bändchen an seinen Zweig, damit er ihn wieder erkennt, und dann stellen wir sie alle zusammen in eine Vase.“
„Und dann?“, fragt Leon.
„Dann werden sie zu Weihnachten blühen. Und wer die meisten Blüten an seinem Zweig hat, der wird im nächsten Jahr das meiste Glück haben.“
„Bestimmt ich!“, sagt Leon. „Bestimmt!“ Leon denkt eine Weile nach, dann klettert er auf Mamas Schoß. „Und du“, sagt er, „du und ich, wir beide, nicht?“
„Wenn ich viel Glück habe“, sagt Mama, „dann gebe ich Mia und Papa etwas davon ab.“
„Ich auch“, sagt Leon. „Kann ich Emma auch einen Zweig bringen? Emma soll auch viel Glück haben. Sie borgt mir auch immer ihren Lutscher, wenn ich keinen habe. Und wenn sie viel Glück hat, schenkt sie mir vielleicht einen Lutscher für mich allein. Warum müssen wir heute Zweige schneiden? Wir hätten’s doch schon gestern machen können, damit wir das Glück nicht verpassen.“
„Kirschzweige werden am Barbaratag geschnitten“, sagt Mama, „und der ist heute.“
„Was ist Barbaratag?“, fragt Leon. „So was wie Nikolaustag?“
„Ja, so.“
„Gibt’s auch einen Miatag und einen Emmatag?“
„Ja.“
„Aber man bekommt nichts geschenkt bei den Mädchen, bloß wenn es Männertage sind, nicht?“
„Am Barbaratag bekommt man Kirschzweige.“
„Ach ja. Heißt es Barbaratag, weil man Zweige bekommt?“
„Nein, weil man an die heilige Barbara denken soll“, sagt Mama.
„Bin ich auch heilig?“
„Aber nein, Leon.“
„Aber mein Knie ist heilig.“ Leon zieht das Hosenbein hoch. „Ist doch wieder heilig geworden, als ich so doll hingefallen bin.“
„Dein Knie ist geheilt, Leon, aber die Barbara ist heilig, das ist anders.“
„Wie denn?“
„Sie hat ganz fest an den lieben Gott geglaubt und an den Herrn Jesus.“
„Tu ich auch“, beharrt Leon.
„Soll ich’s nun erzählen oder nicht?“, fragt Mama. Leon senkt den Kopf.
„Barbaras Vater wollte nicht, dass sie an den lieben Gott glaubt und an den Herrn Jesus“, sagt Mama, „und deshalb hat er sie in einen tiefen Turm werfen lassen.“
„Türme sind doch hoch!“, sagt Leon.
„Der war hoch und tief und finster und kalt.“
„Und schimmlig auch und große Spinnweben?“
Mama nickt.
„Und da hat er sie reingesteckt?“
Mama nicht.
„Hat er ihr auch nichts zu essen gegeben?“
Mama schüttelt den Kopf.
„So’n Oller, so’n Böser. So’n Lumpenhund!“ Leon erschrickt und sieht Mama unsicher an. „Bei so einem kann man’s ruhig sagen, bestimmt. Hat Papa auch schon gesagt.“
„Na“, sagt Mama, „ich weiß nicht!“
„Wie lange war die Barbara denn im Turm?“
„Sehr lange. Aber weil sie immer weiter zum lieben Gott gebetet hat, ist eines Tages ein Engel gekommen und hat sie herausgelassen.“
„Und mit in den Himmel genommen?“, fragt Leon.
Mama nickt.
„Schön“, sagt Leon. „Und der böse Vater, hat der geweint?“
„Nein. Der liebe Gott hat einen Blitz geschickt und der Blitz hat den Vater erschlagen.“
„Da hat er den Dreck!“
„Leon!“
„Na ja! Gehn wir jetzt Kirschzweige schneiden, Mama?“
„Jetzt noch nicht, erst am Nachmittag, wenn Mia da ist. Es muss auch schon dämmrig sein, weißt du.“
„Dämmrig“, sagt Leon vor sich hin, „dämmrig.“
Leon kneift die Augen zu. „Bei mir ist es schon ganz duster, dus-ter, duuus-ter und knistern hör ich’s auch, oooch!“ Leon legt sich die Hände vor’s Gesicht.
„Mama, ich denk jetzt an die heilige Barbara und an den schimmligen Turm mit den großen Spinnweben. Ich grusel mich nämlich so gern, wenn du bei mir bist.“

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