2. Dezember

Das Pferd des heiligen Martin

Wenn nur einer die Gedanken des Pferdes hätte hören können, auf dem einst der heilige Martin gesessen haben muss. Er hätte vielleicht erstaunt den Kopf zum Tier hingewandt und endlich einmal gemerkt, dass Tiere mit uns Menschen mitleiden.

Es war außerordentlich kalt an diesem Abend, der schon in eine undurchsichtige Dämmerung überging. Das Pferd setzte seine Hufe mit Bedacht, damit der Reiter nicht hinunterfallen möge und trug den Heiligen, der einst Bischof von Tours werden sollte, auf seinem Weg über Stock und Stein.

Zwar war es ein Soldat, der dort auf dem Pferderücken saß, aber der hatte auch nicht mehr Freude am Krieg als sein Reittier, das ihn schon so lange trug. Das Pferd, so glaubte auch Martin, verabscheute die Schreie der Verwundeten und das Morden ringsum. Und doch war er ohne das Pferd nichts in einem Kampf, den es doch als Sieger zu bestehen galt, auch wenn man den Grund für die Kriegsstreitigkeiten nicht bejahte. Als Soldat – auch als Offizier – galt es nur zu kämpfen und zu überleben, und das auf beiden Seiten der Front.

Doch derzeit befand sich Martin nicht im Kampf. Vielleicht war er als Bote unterwegs oder das Heer folgte einfach einem Befehl und ritt von A nach B. Darüber wird in der Geschichte nichts berichtet.
Martin jedenfalls saß sicher auf dem Rücken seines Pferdes. Und dieses bemerkte an der Stadtmauer einen alten Bettler, der mehr als alle anderen, denen sie heute begegnet waren, zum Gotterbarmen aussah. Nur Lumpen trug der Mann an seinem Körper und die Nächte waren doch schon ausgesprochen kalt.

Das Pferd verließ einfach den vorgegebenen Pfad, so dass der Weg nun direkt am Bettler vorbeiführte und Martin, der auf seinem Rücken ein wenig eingedöst war, wurde dabei geweckt. Sein Blick fiel sogleich auf den Bettler, doch zunächst wusste er nicht, wie er ihm helfen solle. Proviant hatte er nicht bei sich und der letzte Sold war schon verbraucht.

Da zupfte das Pferd vorsichtig an seinem Mantel und plötzlich ahnte Martin, was zu tun war. Den Rest der Geschichte kennen wir gut. Martin teilt den Mantel mit dem Schwert und gibt die Hälfte dem Frierenden. So ist dem Mann geholfen und er blickt dem davonreitenden Soldaten dankbar nach.
Wie gut, dass Martins Pferd an diesem Abend ein paar Schritte vom Weg abgekommen ist.

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