9. Dezember

Raus die Maus

Es ist ein schöner Herbsttag als die Mäusefamilie in meinem Garten umher huscht, ohne mich in meinem Gartenstuhl wahrzunehmen.

Vielleicht haben sie auch einfach beschlossen mich zu ignorieren, komme was da wolle.

Den Gartenweg nutzen sie wie einen Fußgängerüberweg, allerdings einen ohne Zebrastreifen.

Anscheinend wird es Zeit, dass die fünf kleinen Mäuschen lernen möglichst geschickt und unauffällig die Seiten zu wechseln und von einem Blumenbeet ins andere zu gelangen.

Ich überlege noch, ob das wohl die Wühlmausbande ist, die immer meine Kaiserkronen plündert, aber dazu sind sie eigentlich viel zu niedlich. Und wenn schon, sage ich mir, denn von irgendetwas muss auch so eine kleine Mäusefamilie leben. Der Mehrwert liegt eigentlich in der Vollständigkeit meiner Natur im heimischen Garten.

Die Mutter hat viel zu tun mit den fünf putzigen Nagern, die durcheinander wimmeln, dass das Zusehen viel Freude macht. Immer wieder startet die Mäusefrau (warum glaube ich eigentlich, dass es die Mutter ist?) einen Anlauf mit ihren Kindern den schmalen Gartenweg zu überqueren.
Das Problem dabei ist, dass immer mindestens zwei der Sprösslinge auf halbem Weg wieder umkehren und sich hinter einem Stein verstecken. Da müssen dann auch die Mutigen wieder mit zurück zum Ausgangspunkt.

Eine ganze Weile geht das so von einem Blumenbeet zum anderen und auf halber Strecke wieder zurück. Die Mäusin (!) scheint den Feiglingen gut zuzureden, denn sie sitzen für kurze Zeit Schnäuzchen an Schnäuzchen, bevor sie einen neuen Seitenwechsel unternehmen.

Und irgendwann gelingt es dann tatsächlich und alle – eine große und fünf kleine Mäuse – stürzen sich nacheinander wie ein Wasserfall in das rettende Mauseloch. Endlich in Sicherheit!

Obwohl sie dank der mütterlichen Fürsorge ja zu keiner Zeit in Gefahr schwebten, ist das ein schönes Bild. Warum nur fehlt uns Menschen manchmal diese Selbstverständlichkeit des Kümmerns, die Tieren so klar zu sein scheint?
Der Mutige muss in diesem Fall zwar für den Feigen so manchen Weg doppelt machen, aber keiner wird allein zurückgelassen. Und alle stürzen sich am Ende voll Vertrauen in dieses abenteuerliche Leben.

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