5. Dezember

Dem Bitten ist besser nachgegeben

Bilden wir uns einmal ein, Pferd und Esel würden einander in der gleichen Sprache zureden und stellen wir uns zugleich folgende Szene vor:

Beide Tiere schreiten mit beladenen Sätteln nebeneinander über einen steinigen Weg. Beide verrichten ihre Arbeit, indem sie für den Bauern die Waren zum Markt tragen.

Das Pferd aber ist groß und kräftig, der Esel zwar im Grundsatz zäh, vom Körperbau jedoch klein und zierlich. Und doch sehen wir auf beiden Sätteln die gleiche schwankende Last.
Lauschen wir nun dem tierischen Dialog.

„Meine Last ist schwerer als ich es ertragen kann und es dauert nicht mehr lange, dann werde ich keinen weiteren Schritt vorwärtsbringen. Kannst du mir nicht ein wenig von meinem Ballast abnehmen, damit ich befreit ausschreiten kann. Du bist ohnehin nicht nur größer, sondern sicherlich auch um einiges stärker als ich, deshalb bitte ich dich!“, so beginnt der Esel das Gespräch.

„Es mag ja sein, dass du kleiner bist, aber auch ich habe genug zu tragen und werde mir nicht auch noch deine Last aufbürden. Sieh selbst zu, wie du damit klarkommst!“, schnaubt das Pferd zur Antwort.

Was bleibt dem Esel da noch lange zu bitten. Er muss sich nun mit ganzer Kraft seiner Last widmen und hat keine Kraft mehr für eine Erwiderung an das Pferd. Der Weg aber ist sehr weit und es kommt, wie es kommen muss: Als seine Kräfte zu Ende gehen, legt sich der Esel nieder und stirbt vor lauter Erschöpfung.

Der brutale Bauer versucht ihn durch Schläge wieder aufzurichten, muss aber erkennen, dass der Esel verloren ist. Die Eselslast wechselt er auf den Pferderücken und weil ihn der Verlust des Esels schmerzt, zieht er ihm wenigstens noch das Fell ab um den Verlust zu mindern. Und auch dieses lädt er dem Pferd auf, das nun doppelten Ballast und noch die Haut des Esels trägt, dessen Wunsch und Bitte es zuvor so barsch abgewiesen hatte.

Ein wenig Hilfe zur rechten Zeit hätte das Pferd weniger Mühe gekostet und darüber hinaus das Leben des Esels gerettet.

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